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11. April 2018 - 07:30Nachhaltigkeit

Wohlstand und ein gutes Leben

von Gunther Wölfges, Stadtsparkasse Wuppertal

Das Thema nachhaltige Entwicklung ist allgegenwärtig. Wer Nachhaltigkeit modern denkt, kommt nicht umhin, Umweltgesichtspunkte gleichberechtigt mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu berücksichtigen. Denn nur so können wir nachfolgenden Generationen ein intaktes ökologisches, soziales und ökonomisches System hinterlassen. Die Frage für uns als Sparkassen: Welchen Beitrag können wir leisten?

Gunther Wölfges, Vorstandschef der Stadtsparkasse Wuppertal. (Sparkasse)
Sparkassen sind nach ihrem Geschäftszweck und öffentlichen Auftrag auf Nachhaltigkeit angelegte Unternehmen. Vom Gründungsgedanken herkommend, standen bisher ökonomische und soziale Aspekte der Nachhaltigkeit im Fokus: Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts gegründet – damals war Ökologie noch kein Begriff –, sollten die Sparkassen insbesondere den ärmeren Bevölkerungsschichten eine bessere Lebensperspektive ermöglichen. Mit der Förderung des Sparsinns sowie der geld- und kreditwirtschaftlichen Versorgung der Bevölkerung und der Wirtschaft haben die Sparkassen seither wirksam zur Verbesserung der sozialen Verhältnisse und zur Wohlstandsentwicklung beigetragen.

Daneben gehört die Gemeinwohlorientierung zu den Wesensmerkmalen der Sparkassen. Erwirtschaftete Gewinne werden an die bürgerliche Gemeinschaft zur Unterstützung wichtiger Gemeinschaftsaufgaben zurückgegeben, sofern sie nicht als Eigenkapital für die Fortführung und Entwicklung ihres Geschäftszwecks benötigt werden. Der mit dem im Sparkassenwesen verankerten Wirtschaftlichkeitsprinzip einhergehende Aspekt der ökonomischen Nachhaltigkeit bedeutet, nachhaltig so zu wirtschaften, dass das System auf Dauer erhalten bleibt. Ebenso sind die Verbesserung des Wohlstands und der Lebensqualität seit jeher die Wurzeln der Sparkassen. Der Gedanke der sozialen Nachhaltigkeit grenzt zudem die Sparkassen von anderen Finanzinstituten ab, die primär ihren Shareholdern oder Mitgliedern einen Nutzen schaffen sollen. Die Sparkassen dienen der gesamten Gesellschaft.

Ganzheitlicher Ansatz für nachhaltige Entwicklung


Ein ganzheitlicher Ansatz, der das Wirken der Sparkassen und den Sparkassengedanken um eine ökologische Dimension erweitert, liegt daher nahe. Dieser knüpft an einen modern gedachten Nachhaltigkeitsbegriff an, der soziale, ökonomische und ökologische Aspekte umfasst, und stellt damit eine konsequente und zeitgemäße Weiterentwicklung dar.

Wirkungskreis eigener Betrieb


Eine gute Grundlage für die Praxis ist der vom Rat für nachhaltige Entwicklung betreute Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK). Die dort hinterlegten Kriterien und Leistungsindikatoren zeigen als Mindestanforderungen den Handlungsrahmen auf. Durch die Definition der entsprechenden Nachhaltigkeitsziele kann der Entwicklungspfad für den eigenen Betrieb festgelegt und in einer Nachhaltigkeitsorganisation mit Maßnahmen hinterlegt werden. So lassen sich ökonomische, soziale und ökologische Nachhaltigkeitsaspekte in der Unternehmensorganisation fest verankern sowie ein Bewusstsein in den Köpfen aller Mitarbeiter erzeugen.
Um die ökonomische Nachhaltigkeit auch innerbetrieblich wirksam werden zu lassen, sollten die internen Prozesse und Vorgehensweisen danach ausgerichtet und effizient organisiert werden. Diese augenscheinliche Selbstverständlichkeit steht in der Praxis oft kurzfristigen Zielen gegenüber. Eine nachhaltige, ökonomische Möglichkeit ist etwa ein prognoseloser Ansatz bei den Eigenanlagen und der Zinsbuchsteuerung mit dem Ziel, marktzyklenunabhängige Ergebnisbeiträge zu liefern. Auch der weitere Aufbau von Eigenkapital – synchronisiert mit dem Wachstum im Kundengeschäft – unterstützt eine nachhaltige Vorgehensweise ebenso wie marktgerechte Preise.
Soziale Nachhaltigkeit wird im Wirkungskreis des Betriebs unter anderem durch eine zeitgemäße Personalpolitik deutlich, die sich in der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, flexiblen Arbeitszeitmodellen und der Förderung von Frauen zeigt. Des Weiteren zahlen die Förderung junger Menschen als ausbildender Betrieb, die Förderung inklusiver Arbeitsplätze für behinderte Menschen sowie die nachhaltige Etablierung als sicherer, verlässlicher Arbeitgeber in der Region in diese Dimension ein.
Beispiele der dritten Dimension, der ökologischen Nachhaltigkeit, können innerbetrieblich wie folgt gestaltet sein: Es können systematisch die Ressourceneffizienz erhöht und Klimaschutzmaßnahmen unter Einbeziehung von Kompensationen vorangetrieben werden, um wichtige Beiträge zur Dekarbonisierung zu leisten. So können in der Sparkasse Wuppertal jährlich rund 1500 Tonnen Kohlendioxid durch den Einsatz neuer, energieeffizienter Kälteanlagen eingespart werden. Das entspricht ungefähr dem Jahresbedarf von 250 Einfamilienhäusern oder zehn Millionen Autokilometern. Andere Handlungsfelder sind – ohne Anspruch auf eine vollständige Aufzählung – die Umrüstung auf Heizungsanlagen mit Brennwerttechnik, die Nutzung von Solarenergie, die durchgängige Verwendung von LED-Leuchtmitteln oder die Erarbeitung eines Mobilitätskonzepts.
Die Digitalisierung ermöglicht zudem beispielsweise eine deutliche Reduzierung des Papierverbrauchs. Für unsere Sparkasse besteht noch ein erhebliches Potenzial bei der Nutzung papiergebundener Kontoauszüge. Erst ein Drittel ist auf das elektronische Postfach umgestellt. Würden sämtliche Kontoauszüge nur noch digital zugestellt, würde das einen Papierstapel von einem Ausmaß der zehnfachen Höhe des 75 Meter hohen Turms unserer Sparkasse ersetzen.
Auch bei den eigenen Geldanlagen ist der Aspekt der nachhaltigen Verwendung der Mittel zu beachten. Ein Bewusstsein für ökologische Nachhaltigkeit kann über die Festlegung von Handlungsfeldern, schrittweises Handeln sowie den Einsatz der entsprechenden Instrumente und Lösungskonzepte zur Verbesserung des ökologischen Fußabdrucks bis im Ergebnis hin zur Klimaneutralität führen.

Wirkungskreis Kundenversorgung


Die soziale Dimension der Nachhaltigkeit ist eine Wurzel der Sparkassenidee. Die Gründung der Sparkassen zielte auf die Verringerung der Armut breiter Bevölkerungsschichten sowie die Verbesserung ihrer sozialen Lebenssituation ab. Durch Sparen sollten Rücklagen zur Vorsorge für die Notwendigkeiten des Lebens und für das Leben im Alter geschaffen werden. Auf diese Weise wurde die Wohlstandsentwicklung der Bürger gefördert.
Die geld- und kreditwirtschaftliche Versorgung der Bevölkerung ist auch heute Kern des Unternehmenszwecks der Sparkassen. Sie fördern ihrem öffentlichen Auftrag zufolge die finanzielle Eigenvorsorge und Selbstverantwortung vornehmlich bei der Jugend, aber auch in allen weiteren Altersgruppen und Strukturen der Bevölkerung. Um auch körperlich und/oder psychisch beeinträchtigten Menschen einen gleichberechtigten, uneingeschränkten Zugang zu Produkten und Dienstleistungen zu ermöglichen, hat die Sparkasse Wuppertal eine Zielvereinbarung zu barrierefreien Finanzdienstleistungen initiiert und unterzeichnet. Seit Dezember 2015 ist diese im Zielvereinbarungsregister des Landes NRW und des Bundes eingetragen.
Aufgabe im Kreditgeschäft ist es auch, vorwiegend wirtschaftlich schwächere Bevölkerungskreise zu versorgen und damit vor Überschuldung zu bewahren. Zudem tragen die Sparkassen in Nordrhein-Westfalen zur Finanzierung der Schuldnerberatung in Verbraucher- oder Schuldnerberatungsstellen bei.
Die Sparkasse für jedermann ist somit unverzichtbarer Bestandteil der bürgerlichen Gesellschaft. Betrachten wir die aktuellen Sparquoten, insbesondere von Geringverdienern und jungen Menschen sowie die Zahl der überschuldeten Haushalte, gibt es für Sparkassen noch viel zu tun.
Mit der Kreditversorgung der Wirtschaft, vorwiegend des Mittelstands, leisten die Sparkassen einen wichtigen Beitrag zur ökonomischen Dimension der Nachhaltigkeit. Mit der Finanzierung der mittelständischen Wirtschaft ermöglichen sie die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Wertschöpfung der Unternehmen, somit die dadurch begründete Wohlstandsentwicklung in ihren Geschäftsgebieten. Es entstehen Arbeits- und Unternehmereinkommen, mit denen die Menschen ihr Leben bestreiten können und aus deren Belegung mit öffentlichen Abgaben und Steuern Einnahmen für die Finanzierung der Gemeinschaftsaufgaben zur Verbesserung der Lebensbedingungen vor Ort entstehen.
Bei der Versorgung ihrer Kunden können Sparkassen auch in der ökologischen Dimension wirksam werden. Zur Geldanlage stehen Produkte zur Verfügung, die auch ökologische Nachhaltigkeitskriterien erfüllen. In der Regel handelt es sich um Fremdprodukte wie Anleihen, Schuldverschreibungen oder Investmentfonds, bei denen sichergestellt ist, dass die Verwendung der Mittel nachhaltig erfolgt. Es werden aber auch bilanzwirksame eigene Einlageprodukte wie Nachhaltigkeitssparkassenbriefe angeboten, die zur Finanzierung nachhaltiger Investments auf der Ausleihseite der Bilanz genutzt werden.
Ferner können Nachhaltigkeitskriterien und -indikatoren in die Beurteilung der gewerblichen Kreditnehmer einfließen und sich im Weiteren im Unternehmensrating niederschlagen. Damit werden Nachhaltigkeitsleistungen zu einem Erfolgsfaktor für kreditnehmende Unternehmen. Beispielsweise sollten Fragen zur Nachhaltigkeit zum energieeffizienten Stand der Gebäude und Produktionsanlagen selbstverständlicher Teil der Kundenberatungsgespräche sein. Nachhaltigkeitsinvestitionen sind die Folge und verbessern neben der Energieeffizienz in der
Regel auch die Wirtschaftlichkeit von Anlagen und Gebäuden.
Auch in die Beratung und Beurteilung von privaten Immobilienfinanzierungen könnten die energetische Effizienz der Gebäude und mögliche Maßnahmen zur Verbesserung der Energiebilanz einfließen. Geeignete Förderprogramme zur energetischen Sanierung stehen zur Verfügung.
Eine systematische und konsequente Einbindung des Nachhaltigkeitsgedankens im Kreditgeschäft der Sparkassen würde so Schritt für Schritt den Nachhaltigkeitsgrad der Immobilien und Produktionen der eigenen Kunden sowie des gesamten Ausleihgeschäftes erhöhen und somit schlussendlich zu einem vollständig nachhaltigen Sparkassengeschäft führen.

Wirkungskreis Gemeinwohlorientierung


Die Gemeinwohlorientierung der Sparkassen kommt insbesondere dadurch zum Ausdruck, dass Gewinne, die nicht zur Eigenkapitalstärkung benötigt werden, ausschließlich zur Erfüllung der gemeinwohlorientierten, örtlichen Aufgaben oder für gemeinnützige Zwecke zu verwenden sind. Das kommt der Förderung des kommunalen und bürgerschaftlichen Engagements zugute.
Somit fließt das Thema der nachhaltigen, sozialen und ökonomischen Entwicklung auch in den weiteren Wirkungskreis des gemeinwohlorientierten Engagements der Sparkassen ein. Sparkassen unterstützen in vielfältiger Weise mit erheblichen finanziellen Mitteln die verschiedensten Gemeinschaftsaufgaben in den Bereichen Kultur, Sport, Bildung, Soziales, aber auch Umwelt. Empfänger der Leistungen sind in der Regel Vereine, karitative Einrichtungen, Bildungseinrichtungen und sonstige gemeinnützige und mildtätige Institutionen. Daneben beteiligen sich die Sparkassen an wichtigen Gemeinschaftsaufgaben wie der Wirtschaftsförderung, der Quartiersentwicklung, an Initiativen zur Effizienzverbesserung von Immobilien und Produktionsanlagen, der Einrichtung von Solarkatastern, der Ermöglichung von Forschungsprojekten und vielem anderen mehr. Ferner sind Sparkassen Impulsgeber und Mitgestalter von Entwicklungsprozessen vor Ort. Zudem engagieren sich viele Sparkassenmitarbeiter ehrenamtlich und somit im Sinne einer sozialen Nachhaltigkeit für gemeinnützige Projekte in der Stadt oder Region und machen sich so für eine nachhaltige Entwicklung stark.

Umsetzung der nichtfinanziellen Berichterstattung

Die Etablierung eines modernen Nachhaltigkeitsverständnisses kommt schließlich den Anforderungen des Corporate Social Responsibility-Richtlinie-Umsetzungsgesetz (CSRRUG)
zugute. Nach diesem Gesetz zur Stärkung der nichtfinanziellen Berichterstattung der Unternehmen in ihren Lage- und Konzernlageberichten sind auch Sparkassen je nach Größe erstmals für das Geschäftsjahr 2017 verpflichtet, über ihre Nachhaltigkeitsleistungen zu informieren. Damit soll Transparenz auch über ökologische und soziale Aspekte der Unternehmenstätigkeit geschaffen werden. Neben mehr Informationen für Dritte soll die Berichterstattung auch zu Anreizen führen, sich zukünftig noch mehr mit dem Thema zu befassen, sich im Sinne der Nachhaltigkeit weiterzuentwickeln.

Fazit

Nachhaltigkeit ist also ein Wesensmerkmal von Sparkassen. Sie arbeiten in verschiedenen Wirkungskreisen an der nachhaltigen Entwicklung ihrer Unternehmen, ihrer Kunden und des Gemeinwesens, in dem sie tätig sind. Zukunftsorientiert tun die Sparkassen gut daran, die ökologischen, sozialen und ökonomischen Dimensionen der Nachhaltigkeit selbstverständlich in ihre strategische Ausrichtung, mithin in ihre Geschäftsstrategie aufzunehmen. Die Etablierung von Nachhaltigkeitszielen, die Einrichtung innerbetrieblicher Regelkreise sowie die Verabredung notwendiger und sinnvoller Maßnahmen führen zu einer schrittweisen Verbesserung nachhaltiger Entwicklung in den jeweiligen Regionen. Damit können die Sparkassen einmal mehr ihre Alleinstellung und ihre Einzigartigkeit deutlich machen, ihrer Rolle als Motor nachhaltigen Wirtschaftens und gesellschaftlicher Entwicklung gerecht werden und nachhaltig den Wohlstand und ein gutes Leben in ihren Geschäftsgebieten sichern.
Gunther Wölfges ist Vorsitzender des Vorstands der Stadtsparkasse Wuppertal.
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