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16. April 2018 - 08:30Klimawandel

Umweltkritische Finanzierungen teilweise gestiegen

von Jürgen Janik

In die umstrittene Ölgewinnung aus Teersand stecken vor allem nordamerikanische Banken immer noch hohe Milliardensummen. Europäische Institute sind in puncto umweltkritische Finanzierungen und Kreditvergaben mittlerweile deutlich vorsichtiger, wie ein von Nichtregierungsorganisationen (NGO) vorgelegter Bericht zeigt.

Eine Kurzzusammenfassung finden Sie hier.

Die landschaftsschädigende Ölgewinnung aus Teersand wird wie hier in Kanada von Banken immer noch mit hohen Summen finanziert. (Jiri Rezac)
Vor Kurzem haben die Betriebs-wirtschaftlichen Blätter über das diesjährige Bundesbank-Symposium berichtet, das 2018 im Zei­chen des Themas Nachhaltigkeit gestanden hat. Tenor der Bankvertreter war dort einhellig, dass sich die Branche in diesem Bereich enga­giert und auch die Pariser Klimaziele ernst nimmt. Zwei­fel daran hatten auf dem Symposium einige der anwe­sen­­den Wissen­schaftler geäußert. Deren skeptische Haltung scheint der aktuelle Bericht "Ban­king on Climate Change 2018" zu bestätigen, der bereits zum neunten Mal von NGOs, den Nichtregierungsorganisationen Rainforest Action Network, Bank­track, Indigenous Environmental Network, Oil Change Internatio­nal, Sierra Club und Honor The Earth vorgelegt wor­den ist.
Er konzen­triert sich vor allem auf die Finanzierung von Ak­tivi­tä­ten im Be­reich fossiler Brennstoffe, wie Teer­sand, Arktis- und Tief­see-Öl, Kohle­bergbau und Kohlekraft sowie den Export von Flüssigerdgas (LNG) in Nord­amerika. Weltweit sind danach zwischen 2015 und 2017 insgesamt 345 Milliar­den US-Dollar in die Ausbeutung fossiler Rohstoffe geflossen (s. Abb. 1 + nebenstehen-den hochauflösenden PDF-Download). Zu jedem Segment findet sich im Bericht eine Problem-analyse, warum es für Banken kritisch ist, hier zu investieren. Aus Rankinglisten ist ferner ersichtlich, für wie stark (A, Ausschluss von Finanzierungen) bis extrem schwach (F, keinerlei Beschränkungen) die Autoren die jeweiligen hausinternen Regulierungen (Policy Grades) der Banken zu den einzelnen Segmenten einschätzen.
(BBL)
Der Bericht zeigt, dass große Banken die Finanzierung für fossile Brennstoffprojekte 2017 auf 115 Milliarden US-Dollar erhöht haben (plus elf Prozent gegenüber 2016). Die Kreditver­gabe an Teersandunternehmen hat sich danach sogar verdoppelt. Bei dieser Art Öl zu gewinnen wird der Rohstoff mit viel Energie- und Wasserverbrauch aus lehmigem Sand gespült. Um­welt­schützer kritisieren dieses Verfahren seit Jahren. Im Fokus der Betrachtung stehen vor allem die 36 größten Privatbanken aus Austra­lien, Kanada, China, Europa, Japan und den USA sowie einge­schränkt Singapur, darunter als einziges deutsches Institut die Deutsche Bank (s. Abb. 2). Neben der Analyse im Zusam­men­hang mit der Finanzierung einiger der CO2-intensivsten, finanziell riskantesten und umweltschädlichsten fossilen Brennstoffe werden im Bericht auch die negativen Auswirkungen dieser Sektoren auf die Menschenrechte, die Rechte indigener Völker sowie Gesundheit und Wohlergehen der Weltbevölkerung insgesamt beschrieben.
(BBL)
Teersand
Größter Treiber für den Anstieg der Finanzierung war der Bereich Teer­sand. Zwischen 2016 und 2017 ist dieses Segment um rund 111 Prozent gewachsen. Die massive Ausweitung der Bankkredite auf mehr als 97 Milliarden US-Dollar hat vor allem dazu geführt, dass Kohle als der bisher am stärksten finanzierte Energieträger abgelöst worden ist. Die Royal Bank of Canada, die Toronto-Dominion-Bank und JP Morgan Chase sind die Hauptprotagonisten in diesem Geschäftsfeld. Letztere hat etwa die Finanzierung von Öl aus Teersand vervierfacht und auch die Förder­mittel für den Kohleabbau um das 21-fache erhöht.

Kohlebergbau und Kohlekraft
Nach dem Auslaufen des Post-Paris-Abkommens hat sich die Kohle­berg­baufinanzierung dem Bericht zufolge weltweit eingependelt. Außer­halb Chinas hat sie sich im vergan­genen Jahr allerdings mehr als verdoppelt. Von den knapp 52 Milliarden US-Dollar, die in den vergangenen drei Jahren in den Kohlebergbau geflossen sind, kommt das meiste Geld zwar weiter aus dem Reich der Mitte, etwa von der China Construction Bank, der Bank of China, der Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) und der Agricultural Bank of China (Plätze eins bis vier). Mit Goldman Sachs, der Deutschen Bank sowie der Credit Swiss rangieren auf den folgenden Plätzen fünf bis sieben jedoch bereits große westeuropäische Banken. Ähnlich ist die Situation im Bereich der Kohlekraft. Auch sie wird im großen Stil von chinesischen Banken finanziert. In das gesamte Segment sind zwischen 2015 und 2017 mehr als 93 Milliarden US-Dollar geflossen. Die europäischen Institute haben sich hier allerdings teilweise bereits umfangreichere Selbstbeschränkungen auferlegt, wie der Bericht dokumentiert.

Arktis-Öl
Die untersuchten Banken haben zwischen 2015 und 2017 mit fünf Milliarden US-Dollar die Ölförderung aus der Arktis finanziert, angeführt von der BNP Paribas, der Deutschen Bank und der Canadian Imperial Bank of Commerce (CIBC). Die Finan­zierung hat sich damit in den vergangenen drei Jahren jedoch fast halbiert. Einige Geldhäuser haben ihr Engagement nahezu vollständig zurückgefahren. Umweltexperten fürchten, dass vor allem der Ausbau der Öl- und Gasförderung in Alaska zu einem Anstieg globaler Treibhausgasemissionen führen dürfte. Die Ausweitung bedroht dem Bericht zufolge zudem den Lebensraum der Ureinwohner Alaskas.

Tiefsee-Öl
Die Finan­zierung von Tiefsee-Öl-Projekten belief sich auf 52 Milliarden US-Dollar, angeführt von JP Morgan Chase, HSBC und der Bank of America. Die Deutsche Bank rangiert hier mit insgesamt mehr als drei Milliarden US-Dollar auf Platz sechs. Eine Selbstbeschränkung durch entsprechende Regeln findet sich über alle 36 Banken betrachtet in diesem Geschäftsfeld so gut wie nicht. Lediglich zwei kanadische Banken sind in der Tiefsee-Ölförderung nicht engagiert.

Flüssigerdgas-Export (LNG)
Zu Flüssigkeit gekühltes fossiles Gas kann auf riesigen Lastkähnen über Ozeane verschifft werden, um wieder vergast und dann in Kraftwerken rund um die Welt verbrannt zu werden. Der dadurch erzeugte Strom hinterlässt einen großen CO2-Fußabdruck. Gerade die zusätzliche Energie, die zum Verflüssigen, Versenden und Regasifizieren von LNG benötigt wird, macht es doppelt so kohlenstoffintensiv wie Erdgas. Hinzu kommt das Treibhausgas Methan, das in zwar geringen Mengen aus Bohrlochköpfen und Rohren austreten kann, aber das Klima stärker schädigt als Kohle. Vor allem LNG-Terminals können Gesundheit, Sicherheit und Lebensgrundlagen nahegelegener Küstenregionen gefährden. Immerhin haben Banken 45 Milliarden US-Dollar in LNG-Aktivitäten von Unternehmen gesteckt. Allerdings ist in diesem Sektor die Finanzie­rungs­summe ebenfalls rückläufig.
(BBL)
Die europäischen Banken sind bei bei der Finanzierung fossiler Brennstoffprojekte mittlerweile weitaus zurückhaltender als die US-amerikanischen und kanadischen. Sie haben die Umweltrisiken erkannt und einige ihrer fossilen Brennstoffaktivitäten politischen Beschränkungen unterworfen. Dennoch haben wich­tige Akteure, so der Bericht, auf anderen Feldern wenig unternom­men, um die eigene Geschäftspolitik mit den Zielen des Pariser Weltklimaab­kom­mens von 2015 in Einklang zu bringen. Der Riss geht dabei teilweise quer durch die Länder, wie in der Schweiz: Während die Credit Swiss massiv mehr Geld in Öl- und Kohleprojekte steckt, hat sich die UBS fast ganz aus dem Kohlegeschäft zurückgezogen. Allerdings verweist die Credit Swiss darauf, dass sie seit zwei Jahren keine neuen Minen für die Gewinnung von Kohle zur Stromerzeugung mehr finanziert (s. Abb. 3).
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  1. Umweltkritische Finanzierungen teilweise gestiegen
  2. Europäische Banken und Versicherungen denken um
  3. Fazit
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