Anzeige
Anzeige

Exklusiv für Abonnenten

Dieser Beitrag steht exklusiv Abonnenten des SparkassenZeitung Portals zur Verfügung.
Bitte loggen Sie sich hier ein:

Haben Sie Ihr Passwort vergessen oder benötigen Sie ein neues?
Hier anfordern

Weitere Informationen zu Produkten, Bestellmöglichkeiten mit Testzugang, Lizenzprüfung oder FAQs finden Sie im Bereich Abo-Service.
Bei Fragen nehmen Sie gern Kontakt online mit uns auf oder rufen Sie uns an:
Tel.: +49 711 782-1173.

Passwort vergessen

Geben Sie Ihre E-Mail Adresse an und erhalten Sie einen Link um Ihr Passwort zurückzusetzen.

Bitte geben Sie hier Ihre E-Mail-Adresse an, mit der Sie bei uns registriert sind. Nach dem Klicken auf "Absenden" bekommen Sie eine Mail mit dem Link. Klicken Sie den Link an oder kopieren Sie diesen in die Adressleiste Ihres Internetbrowsers. So werden Sie automatisch angemeldet und können Ihr Passwort ändern.

Anzeige
03. Dezember 2018 - 08:30Kolumne 12/2018: Finanzmarktrisiken

(K)eine Rückkehr zur Normalität

von Dr. Silvio Andrae

Ein Jahrzehnt nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers ist das globale Verschuldungsniveau höher als 2008. Die Kreditvergabe hat sich in den intransparenten Bereich der Vermögensverwaltung und des Private Equity geflüchtet. Risiken gibt es aktuell eher noch mehr als damals.

Eine Kurzzusammenfassung finden Sie hier.

Dr. Silvio Andrae (DSGV, Berlin). (Darchinger)
Wie die meisten Ökonomen das Ausmaß des globalen Abschwungs ab Mitte 2008 überrascht hat, so ist es wohl auch mit der Interpretation der Erholung. Wirtschaftsprogno-sen erscheinen heute als hoffnungsvolle Hochrechnungen des jüngsten Wirtschaftswachs-tums. Tatsächlich „lauern“ unter dieser Oberfläche nicht unbedeutsame Risiken. „Angesichts hoher Bewertungen und geringer Risikoprämien wird
das Finanzsystem verwundbarer“, so der jüngste Stabilitätsbericht der Europäischen Zentralbank. Sollte es erneut zu einer Finanzkrise kommen, würde eine sich anschließende Rezession noch teurer sein als die letzte: Vor allem deshalb, weil die Politik mit wirtschaftlichen und politischen Zwängen konfrontiert wäre.
Sicherlich hat die globale Finanzregulierung nach der Krise dazu beigetragen, dass künftige Krisen durch höhere Eigenkapital- und Liquiditätspuffer abgemildert werden. So senken die Regulierungsreformen, vor allem die vom Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht eingeführten weit höheren Kapitalanforderungen für systemisch bedeutsame Banken, das Risiko der sozialen Kosten einer Krise erheblich. Forschungsarbeiten zeigen, dass Kernkapitalquoten von über 13 Prozent die Gefahr von Bankzusammenbrüchen drastisch verringern. Die von Aufsichtsbehörden jüngst in der EU und den USA durchgeführten Stresstests zeigen, dass die meisten Großbanken auch extreme wirtschaftliche Schocks überleben können.
Dennoch erscheinen die analytischen Grundlagen einiger dieser Verbesserungen wackelig. Zudem war und ist die Umsetzung der neuen Regulierungen enorm kostspielig. Ein typisches Beispiel sind die Referenzzinsen. Diese Zinssätze spielen im Finanz- und im Bankensystem sowie in der Wirtschaft eine zentrale Rolle. Der Libor (London Interbank Offered Rate) wird als die wichtigste Zahl der Welt bezeichnet. Er entspricht dem Betragswert, den die Banken zahlen, um unbesicherte Kredite aufzunehmen. Weltweit orientieren sich daran 260 Trillionen Darlehens- und Derivateverträge – von variablen Hypothekenkontrakten bis hin zu Zinsswaps. Aber die Tage des Libor sind gezählt.
Der Zinssatz hat sich bisher auf ein Panel von Banken bezogen, die Schätzungen ihrer eigenen Fremdkapitalkosten abgeben. Die Skandale, die den Libor 2012 bekannt gemacht haben, verdeutlichen, wie manipulativ dieser Prozess verlaufen ist. Zudem hat der Interbankenmarkt seit der Finanzkrise an Bedeutung verloren. Die sprudelnde Zentralbankliquidität ist von den Banken verstärkt zur Kreditaufnahme genutzt worden. Dies hat insgesamt zu deutlich weniger beobachtbaren Transaktionen geführt.
Die Erfahrungen haben die europäischen Gesetzgeber zu einer verschärften Regulierung veranlasst. Seit 30. Juni 2016 ist die sogenannte Benchmark-Verordnung (BMR) in Kraft. Sie gilt für Banken genauso wie für Versicherungen, Börsen und Investmentfonds. Mit der Verordnung werden Regelungen in Bezug auf die Referenzzinsen eingeführt, die bei verschiedenen Finanzinstrumenten und Kontrakten als Referenzwert oder zur Messung der Wertentwicklung eines Finanzinstruments verwendet werden.
Zentralbanken, Regulierungsbehörden und die Kreditwirtschaft arbeiten weltweit an der Entwicklung einer neuen Methode, die mit der BMR konform ist. Die Herausforderung besteht darin, dass die BMR einerseits verlangt, dass sich die neuen Benchmarks (kurz: Ibor) so weit wie möglich auf Transaktionen beziehen sollten. Andererseits gibt es zu wenige Transaktionen, um als zuverlässige Basis für Transaktionen zu dienen.
Daher ist es folgerichtig, dass die britische Finanzaufsicht im Juni 2017 bekanntgegeben hat, dass der Libor ab Ende 2021 nicht mehr genutzt werden kann. Es besteht das Ziel, ab diesem Zeitpunkt den Sonia (Sterling Overnight Index Average) als Ersatz zu verwenden. Der Sonia ist transaktionsbasiert und misst den Preis von quasi risikolosen Overnight-Refinanzierungsgeschäften am Geldmarkt.
Für den Euribor (Euro Interbank Offered Rate) sieht die Situation etwas anders aus. Ein nahtloser Übergang zu einem transaktionsbasierten Referenzzins ist bisher nicht gelungen. Das European Money Markets Institute (EMMI) verfolgt aktuell einen hybriden Berechnungsansatz. Dieser basiert auf einer sogenannten Wasserfallmethode. Bis diese Methode getestet und implementiert ist, wird der Euribor in seinem aktuellen Format berechnet und veröffentlicht. Aber die Zeit drängt. Die Übergangsfrist endet am 1. Januar 2020.
So sachgerecht die Regulierung auch ist, das Ende der Referenzzinsen birgt zwei Risiken. Ein Risiko betrifft die Instabilität des Marktes, da die Vielzahl der Verträge an einem neuen Leitzins ausgerichtet werden müssen. Dies könnte große Auswirkungen wie plötzliche und höhere Zinssätze für die Kreditnehmer haben.
Das andere Risiko betrifft die Post-Ibor-Welt, in der die neuen Referenzsätze dazu führen können, dass die Vermögenswerte und Verbindlichkeiten der Banken nicht mehr miteinander verbunden sind. Obwohl fehlerhaft, bietet der Libor den Banken eine Absicherung gegen plötzliche Bewegungen der eigenen Kreditkosten. Die von ihnen berechneten Zinssätze und die von ihnen gezahlten Zinssätze – ob für einen Tag oder ein Jahr – sind durch den Libor verknüpft.
Die Alternativen bewegen sich möglicherweise nicht synchron. Sie beziehen sich auf die Kosten der Kreditaufnahme über Nacht, nicht für eine Reihe von Laufzeiten. Der von der US-amerikanischen Notenbank Federal Reserve geforderte Zinssatz gilt für Kredite, die gegen US-amerikanische Staatsanleihen gesichert sind. In einer Krise ist es leicht vorstellbar, dass die Nachfrage nach hochwertigen Sicherheiten steigen wird und die Bereitschaft zur Kreditvergabe an Banken sinkt. Das würde bedeuten, dass die Erträge der Banken aus Krediten einbrechen, während ihre eigenen Kreditkosten steigen. Es ist daher ungeheuer schwierig, einen Zins zu finden, die sowohl manipulationssicher ist als auch die Kreditkosten der Banken genau widerspiegelt.
Anzeige
  1. (K)eine Rückkehr zur Normalität
  2. Nebenwirkungen expansiver Geldpolitik
  3. Fazit
 Druck-PDF herunterladen

Kommentare zum Artikel (0)