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27. September 2017 - 07:30Kreativität

Querdenker sind wichtiger denn je

von Silvia Besner

Martin Klapheck, jahrelang Mitarbeiter der Sparkassen-Finanzgruppe, ist ausgestiegen, um zwei seiner Leidenschaften zum Beruf zu machen: die Rhetorik und das Klavier. Heute ist er Kolumnist bei "Focus online" und mehrfach prämierter Redner, der quer durch die Branchen von Unternehmen, Verbänden und Agenturen gebucht wird. Sein Buch "Lebe Deinen Beat" soll nun auch andere zur "kreativen Verrücktheit" anstiften.

Mit Flügel und Notebook: Martin Klapheck bei einer Sparkassenveranstaltung. (privat)
Klaphecks Motivationsratgeber kämpft nicht für mehr Vertriebserfolg oder bessere Triathlonergebnisse. Ihm geht es einzig und allein um die individuelle Lebensqualität. Sie freizulegen unter gesellschaftlichen Konventionen, familiären Verpflichtungen und einer politischen Überkorrektheit ist sein Ziel, das − in der Theorie − sicher viele Leser mit ihm teilen.

Doch hier lauert auch schon der erste Stolperstein. Denn "Menschen sind von Natur aus Wissensriesen und Tatenzwerge", wie der Autor schreibt. Wir sind Diener der sich selbst erfüllenden Prophezeiung und Opfer des Wahrnehmungsfilters. Wir unterliegen der negativ geprägten Informationsflut, der Bequemlichkeit und dem Vorurteil. Wir suchen nach Perfektion und hundertprozentiger Sicherheit, wohl wissend, dass es sie nicht gibt. Und wir haben Angst vor der Kritik der Angepassten.
Klapheck lässt bei der Beschreibung von Wunsch und Wirklichkeit vieles aus seinem eigenen Leben einfließen, er zitiert seine Eltern und die Ehefrau, plaudert aus dem Garten und aus dem Urlaub. Das macht sein Buch leicht lesbar und spannt auch den Bogen zu unser aller Arbeitswelt. Denn der Autor war lange Angestellter der Sparkassen-Finanzgruppe, heute ist sie einer der Auftraggeber des freiberuflichen Redners.
Die "Anstiftung zur kreativen Verrücktheit", so der Untertitel des Buches, hat bei Klapheck eine realistische und ausgewogene Note. Er schickt die Leser nicht gleich in die Wüste oder auf Weltumrundung im Einhandsegeln. Er plädiert für die Ausgeglichenheit zwischen Gewöhnlichem und Ungewöhnlichem, er ringt um das richtige Mischungsverhältnis zwischen Normalität und Besonderheit, die Balance zwischen Arbeit und Leben. Und hält uns als Fazit das Bild des Metronoms vor Augen, das viele von uns als Kind auf dem Klavier stehen hatten und das dem Lernenden den Takt vorgeben soll: Das Leben sei dann am erfülltesten und erfüllendsten, wenn es stetig schwingt zwischen Spannung und Entspannung, Nähe und Distanz, Alltag und Abenteuer.
Damit jedoch nicht – wie so oft – eine Seite zu kurz kommt, gilt es, Spielregeln zu beachten, die Klapheck zum Teil in kleine Aufgaben verpackt. Warum nicht jeden Tag ein paar Minuten lang in Muße den eigenen Wünschen und Befindlichkeiten nachspüren, Informationsdiät machen und gezielt positive Nachrichten suchen, Ärger mit der Stoppuhr in seine Schranken weisen oder zwei Stunden pro Woche fest reservieren, um – alleine – etwas Neues zu tun: einen Obdachlosen-Treff zu besuchen oder griechischen Volkstanz zu lernen?
Buchtitel.
Das Alleinstellungsmerkmal dieses Motivationsratgebers ist sein Bezug zur Musik. Klapheck stellt uns als Vorbilder Musiker mit ungewöhnlichen Lebensläufen und einem Hang zu Experiment und Exzentrik vor, wie Herbie Hancock, Thomas Quasthoff oder Lady Gaga. Den Umgang mit Schicksalsschlägen illustrieren etwa der taube Beethoven und der Konzertpianist Paul Wittgenstein, dem nach dem Ersten Weltkrieg die rechte Hand amputiert werden musste. Die Ventilfunktion wird am Beispiel des Dudelsacks erklärt, der Umgang mit Fehlern anhand eines öffentlichen Patzers bei einer schwierigen Passage am Flügel.
Die Metaphern aus der Musikwelt sind manchmal etwas bemüht, aber konsequent und eingänglich. Klapheck begleitet seine Vorträge am Klavier und hat damit ein eigenes rhetorisches Genre geschaffen. Auch jedes der acht Buchkapitel schließt mit einem Video, das per QR-Code online abgerufen werden kann. Hier verdeutlicht der Pianist das Gesagte noch einmal mit den Mitteln selbst komponierter Musik: mit Dissonanzen und Gleichklang, freier Improvisation und dem "richtigen Rhythmus".
Martin Klapheck: Lebe Deinen Beat! Anstiftung zur kreativen Verrücktheit,
Goldegg Verlag, Berlin, 2016
240 Seiten, 19,95 Euro

Interview mit Martin Klapheck

Am Klavier verdeutlicht Klapheck seine Thesen. Denn mithilfe von Musik geht Gesagtes unmittelbarer und emotionaler ins Gedächtnis über. (privat)
DSZ: Herr Klapheck, Sie waren 16 und wollten Musiker werden. Was haben Ihre Eltern gesagt?
Martin Klapheck: Ich bin meinen Eltern dankbar, dass sie meine musikalischen Ambitionen immer unterstützt haben. Sie haben mir auf meinen Wunsch hin eine Heimorgel gekauft, als ich zehn war. Als ich eine Rockband und keinen Probenraum hatte, spielten wir im elterlichen Hobbykeller. Das ganze Haus hat gewackelt. Das haben meine Eltern alles mitgemacht und gefördert.
DSZ: Dann aber ging es an die Berufswahl...
Klapheck: ...und meine Eltern haben sich von dem falschen, aber weit verbreiteten Glaubenssatz leiten lassen: "Als Musiker kann man kein Geld verdienen." Verbunden mit den besten Absichten haben sie mir zu einem "soliden" und vermeintlich "sicheren" Beruf geraten. Sie waren sehr stolz, als ich eine Ausbildungsstelle bei der damaligen Kreissparkasse Recklinghausen (heute die Sparkasse Vest Recklinghausen) bekommen habe.
DSZ: Wie hat Ihnen die Arbeit in der Sparkasse gefallen?
Klapheck: Mit großem Enthusiasmus habe ich meine Ausbildung zum Bankkaufmann und den Fachlehrgang in der Sparkassenakademie Münster absolviert. Dann habe ich meine Leidenschaft für Wertpapiere und die Vermögensberatung entdeckt – vorbildlich gefördert vom Arbeitgeber: Ich durfte Praktika an der Börse Düsseldorf und bei der Westdeutschen Landesbank machen. Anschließend bekam ich einen Job als Vermögensberater in der Hauptstelle, eine tolle Auszeichnung. Dort habe ich das erste digitale Chartsystem in der Sparkasse eingeführt. Ich pflegte engen Kontakt zum Vorstand, wodurch ich mit spannenden Zusatzaufgaben betraut wurde: Mitarbeiterschulungen, der Begleitung von Pressekonferenzen und der Organisation einer Veranstaltung mit dem Börsenguru André Kostolany. An diese Zeit denke ich mit großer Freude zurück.
DSZ: Also alles bestens. Und doch sind Sie aus der Sparkassen-Finanzgruppe ausgestiegen. Warum?
Klapheck: Nachdem ich das Lehrinstitut mit sehr gutem Ergebnis abgeschlossen hatte, fasste ich mittelfristig eine Vorstandsposition ins Auge. Eine Voraussetzung des Kreditwesengesetzes dafür ist, umfangreiche Kreditkompetenzen ausgeübt zu haben. Da mir meine Heimatsparkasse keine adäquate Position im Kreditbereich anbot und mir während der Zeit am Lehrinstitut Bonn als Stadt gut gefallen hatte, tat ich das Naheliegende: Ich rief den damaligen Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Bonn, Michael Kranz, an und fragte ihn, ob er nicht eine gute Position im Kreditbereich für mich hätte. Überzeugungskraft hatte ich schon damals, und so lud er mich ein und bot mir einen Platz im Trainee-Programm mit guten Aufstiegschancen im Kreditbereich an.
DSZ: Und als die Karriere so richtig losgehen sollte, kam der Knackpunkt?
Klapheck: Im Nachhinein war es ein Fehler, aus Karrieregründen in einen Bereich zu wechseln, von dem ich wusste, dass er mir nicht annähernd so viel Spaß machen würde wie die Vermögensberatung. Ich fühlte mich im Kreditbereich unwohl. Es war einfach nicht die Arbeit, die mir Spaß machte. Da meine damalige Band Lajaro gleichzeitig sehr erfolgreich war, flammte meine Leidenschaft für die Musik neu auf. Auch hat es mir in der Sparkassen-Finanzgruppe immer dann besonders viel Spaß gemacht, wenn ich eine Aufgabe hatte, bei der ich mein rhetorisches Geschick und meine Fähigkeit, Menschen zu begeistern, einsetzen konnte. Ich entschied mich also, das Ruder noch einmal herumzureißen und etwas ganz Neues zu machen. Ich nahm kurzfristig einen Halbtagsjob im Institut für Fernstudien in der Deutschen Sparkassenakademie an und machte mich parallel dazu mit einer Event- und Redneragentur und als Moderator und Keynotespeaker selbstständig.
DSZ: Als Redner haben Sie ein eigenes Genre kreiert: das Piano-Referat.
Klapheck: Ja, ich halte motivierende und inspirierende Vorträge, bei denen ich die Kraft der Musik nutze, um die Menschen zu mobilisieren und ins Handeln zu bringen. Es geht um Erfolg durch kreatives Handeln: Bei der Zielgruppe der Mitarbeiter, Führungskräfte und Unternehmen in erster Linie um unternehmerischen Erfolg, bei Privatkunden um Lebenserfolg. 2017 wurde ich zum vierten Mal in Folge in den Kreis der 100 besten Sprecher Deutschlands gewählt. Bei "Focus online" habe ich als Kreativitätsexperte eine eigene Kolumne. Mein Buch "Lebe Deinen Beat" ist in der ersten Auflage ausverkauft.
DSZ: Sie begleiten Ihre Vorträge also am Klavier…
Klapheck: Nein, das Piano-Referat ist weitaus mehr als nur ein vertonter Vortrag. Wertvolle Denkimpulse werden durch die Musik übersetzt und verankern sich im menschlichen Geist. Durch die Klavierpassagen spüren meine Zuhörer die wesentlichen Aspekte des Gesagten regelrecht. Dem kann man sich gar nicht entziehen. So werden Klavier und Musik selbst zu aktiven Sinnbildern und emotionalen Verstärkern für die Themen Motivation, konstruktives Lösungsdenken und Handeln. Diese Wirkung ist ein großer Nutzen für den Veranstalter. Da ich der einzige Redner bin, der so etwas macht, werden die Gäste auch positiv überrascht. Außerdem gut unterhalten, denn Humor spielt neben der Musik in meinem Piano-Referat ein große Rolle. Also großes Kino.
DSZ: Dabei Sie sind auch der Sparkassen-Finanzgruppe weiterhin verbunden.
Klapheck: Mit meiner Eventagentur habe ich für den Deutschen Sparkassen- und Giroverband eine große Jubiläumsveranstaltung in Berlin, Themenevents sowie viele Jahre lang klassische Konzerte in Brüssel organisiert. Als Moderator habe ich Prüfertage, Galas, Vorständetagungen und Managementforen begleitet. Als Piano-Referent buchen mich viele Sparkassen für die unterschiedlichsten Zielgruppen von Mitarbeitern und Kunden. Das freut mich.
DSZ: Als ehemaliger Insider und heute Außenstehender: Sparkassen-Finanzgruppe und Kreativität, passt das zusammen?
Klapheck: Kreativität kann sich nur in Freiheit entfalten, idealerweise in Entspannung. Kreativ zu sein heißt ja, gedankliche Zäune und Einschränkungen zu überwinden. Seinen Standpunkt zu verrücken, also auch mal verrückt zu sein und bisher Unerhörtes zuzulassen. Nach meiner Erfahrung und Wahrnehmung gibt es aber in der Sparkassen-Finanzgruppe viele Zäune und Barrieren. Das liegt teilweise an gesetzlichen Anforderungen und Reglements, denen die Sparkassen genau wie andere Finanzdienstleister unterliegen. Ein anderer Grund sind die gewachsenen Strukturen, die einengend und nicht mehr zeitgemäß sind: Ich denke da an bestimmte Gremien und komplexe, langsame Entscheidungsfindungen. Das ist kreativitätskillend. Teilweise bin ich bei meiner Arbeit als Referent aber auch auf Führungspersonen gestoßen, die Kreativität nicht wünschen oder zulassen. Das mag verständlich sein. Denn Kreativität birgt ja auch Risiken und kann ganz schön unbequem sein. Dennoch muss diese Haltung überwunden werden.
DSZ: Was sollten Sparkassen tun, um kreative Köpfe zu halten?
Klapheck: Ich glaube, die Sparkassen-Finanzgruppe täte gut daran, Bereiche zu schaffen, die unabhängig und genügend losgelöst sind von der klassischen Sparkassenstruktur. Selbstständige Bereiche, die nach anderen Gesetzmäßigkeiten funktionieren und Freiheit in jeder Hinsicht zulassen und fördern. Bereiche, in denen sich Kreative austoben und dabei Spaß haben können. Innovative Prozesse und Entscheidungsfindungen würden da völlig anders ablaufen als in vielen Sparkassen heute. Diese Bereiche müssten dann nicht nur für kreative Banker, sondern insbesondere auch für andere Kreative wie beispielsweise Künstler offen sein. Denn die denken ganz anders als der traditionelle Banker und können dadurch auch andere Ideen liefern und Prozesse einführen. Eine Herausforderung ist es sicher, diese Ideen dann so zu transformieren, dass sie einerseits systemkompatibel sind, andererseits ihre Frische behalten.
DSZ: Sind Querdenker für einen traditionellen Arbeitgeber überhaupt attraktiv – oder sollen Querdenker sich halt selbstständig machen?
Klapheck: Querdenker sind für einen traditionellen Arbeitgeber nicht nur gut, sondern zwingend notwendig, um im Wettbewerb vorn mitzumischen. Die Anforderungen steigen ja ständig. Die Veränderungsgeschwindigkeit nimmt permanent zu, Märkte werden in atemberaubender Geschwindigkeit umgekrempelt. Durch das Internet herrscht eine hohe Transparenz auf vielen Märkten, und die Verbraucher haben an Macht gewonnen. Die Digitalisierung stellt insbesondere traditionelle Unternehmen vor anspruchsvolle Herausforderungen. Sich denen zu stellen, erfordert Querdenken. Best-Practice-Lösungen reichen da oft nicht aus. Also: Querdenker sind wichtiger denn je.
DSZ: Und umgekehrt? Ist ein traditionelles Unternehmen für einen Querdenker attraktiv?
Klapheck: Das ist eine ganz andere Frage. Da müssten sich viele Unternehmer und Unternehmerinnen von ihrer traditionellen Vorstellung von Hierarchie und Arbeitsorganisation verabschieden. Ein selbstbewusster, guter Querdenken wird ein Unternehmen, in dem er sich auf Dauer nicht wohlfühlt, verlassen. Unter einem guten Querdenker verstehe ich jemanden, der nicht einfach rumspinnt, sondern in der Lage ist, durch das Querdenken auch realisierbare unternehmerische Lösungen zu finden.
DSZ: Wie muss ein Querdenker bei einem traditionellen Arbeitgeber auftreten, ohne als unzufriedener Querulant zu erscheinen?
Klapheck: Die unterschiedliche Kommunikation dieser unterschiedlichen Welten führt tatsächlich oft zu Problemen. Oft werden Querdenker in traditionellen Unternehmen als Exoten, Realitätsfremde oder gar als Spinner wahrgenommen. Vielen Querdenkern hingegen fällt es schwer, sich genügend auf die Sprache des Unternehmens einzustellen. Es nützt gar nichts, wenn der Querdenker seine aus seiner Sicht gute Idee den Partnern im Unternehmen um die Ohren haut wie ein nasses Handtuch. Ich sehe zwei Möglichkeiten: Entweder beide bewegen ihre Standpunkte so aufeinander zu, dass der Abstand verringert wird und man sich versteht. Die neue Idee muss also wie ein warmer Mantel gereicht werden, den man gern anzieht. Oder aber ein Dritter übernimmt eine Mittlerrolle, fängt möglichst viel von der Idee des Querdenkers auf und kommuniziert sie dann so, dass sie für das Unternehmen attraktiv ist und umsetzbar erscheint.
Infos zu Martin Klaphecks Piano-Referat: www.martinklapheck.de
Lese- und Hörproben des Buchs: www.lebedeinenbeat.de
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