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05. November 2018 - 06:00LBBW-Studie

Fachkräftemangel belastet den Mittelstand

90 Prozent der Mittelständler klagen über Fachkräftemangel. Das berichten LBBW-Research und das Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) in Tübingen im neuen Mittelstandsradar.

Hochschullabsolvent und Fachkraft mit Berufsausbildung im Betrieb. Die Unterscheidung zwischen Qualifikationsstufen ist entscheidend für die Einsichten der Mittelstandsstudie vonf LBBW Research und IAW.
Der seit Jahren anhaltende Konjunkturaufschwung in Deutschland habe auch im Mittelstand für beste Stimmung gesorgt. Das schreiben die Autoren einer bundesweiten Unternehmensumfrage von LBBW-Research und IAW. Mehr als 60 Prozent der Mittelständler beurteilen die Geschäftsaussichten demnach als gut oder sehr gut. In den offiziellen Arbeitsmarktdaten spiegele sich die gute Konjunkturentwicklung ebenfalls wider.

„In welchem Umfang sehen Sie Ihr Unternehmen von Fachkräftemangel betroffen?“ Prozentualer Anteil der Nennungen der jeweiligen Kategorie (Quellen: IAW, LBBW Research)
Dennoch setzten Engpässe am Arbeitsmarkt den deutschen Mittelständlern zu. Der Mittelstandsradar zeigt, dass die Verfügbarkeit von Fachkräften von 72 Prozent der Unternehmen als negativ für die Geschäftsentwicklung beurteilt wird. Damit liegt dieser Punkt noch vor den Rohstoffkosten, die 60 Prozent der Unternehmen negativ beurteilen. Nur 11 Prozent sehen das eigene Unternehmen von keinem Fachkräftemangel betroffen. Knapp zehn Prozent leiden „sehr stark“, 50 Prozent „stark“ unter dem Fachkräftemangel. Die Bundesagentur für Arbeit gehe dennoch nicht von einem allgemeinen Arbeitskräfte- oder Fachkräftemangel aus, schreiben die LBBW-Experten. Die Behörde spreche in ihrem Mo-natsbericht vom September 2018 vielmehr von „Anspannungen und Engpässen in einigen technischen Berufsfeldern, bei Bauberufen sowie in Gesundheits- und Pflegeberufen“.

Mangel an Facharbeitern am größten (Prozentualer Anteil der Nennungen der jeweiligen Kategorie an allen Unternehmen mit Fachkräftemangel (Mehrfachnennungen möglich)) - 74 Prozent der Befragten mit Fachkräftemangel sehen ihr Unternehmen vom Mangel an beruflich ausgebildeten Arbeitskräften betroffen, inklusive Technikern und Meistern. Dahinter folgen mit deutlichem Abstand der Mangel an Bewerbern für Ausbildungsplätze (43 %) und der Mangel an Hochschulabsolventen (41 %). Mangelnde Kompetenzen der vorhandenen Fachkräfte scheinen dagegen nicht im Vordergrund zu stehen. Je gut ein Drittel der Unternehmen beklagt zu geringe kaufmännische oder technische Kompetenzen der Bewerber. Ein Mangel an Soft Skills oder IT-Kompetenzen steht am Ende der Rangliste. (Quellen: IAW, LBBW Research)
Das Thema Fachkräftemangel gehe für die Unternehmer Hand in Hand mit dem Arbeitskostenproblem. So wurde für die Metallindustrie ab April 2018 ein Plus von 4,3 Prozent vereinbart. Im öffentlichen Dienst wurde im Schnitt ab März 2018 ein Plus von 3,5 Prozent bezahlt, was spürbar über den vorherigen Abschlüssen liegt. Allerdings habe sich der Anstieg der Arbeitskosten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes bislang nicht deutlich beschleunigt. Die Arbeitskosten insgesamt wuchsen im Quartalsvergleich um 0,9 Prozent im ersten Quartal und 0,2 Prozent im zweiten Quartal. Die Bruttoverdienste stiegen um 0,6 Prozent und 0,5 Prozent an.

Laut Umfrage war es für die Unternehmen war es offenbar ähnlich schwer, beruflich ausgebildete Arbeitskräfte und Hochschulabsolventen zu bekommen. Befragt nach den Gründen für den Arbeitskräfteengpass, nannten 65 Prozent der Unternehmen den Mangel an Fachkräften, 57 Prozent nannten den Mangel an Hochschulabsolventen. 60 Prozent der Unternehmen gaben an, bei den beruflich ausgebildeten Arbeitskräften mangele es an Qualifikation der Bewerber, bei den Qualifikation der Hochschulabsolventen zeigten sich nur 22 Prozent der Mittelständler unzufrieden. Als Gründe für die geringe Bewerberanzahl, nennen 29 Prozent der befragten Mittelständler begrenzte Vergütungsmöglichkeiten, 27 Prozent einen unattraktiven Unternehmensstandort. Bei den Facharbeitskräften fallen aus Sicht der Unternehmen begrenzte Vergütungsmöglichkeiten als Grund für Bewerbermangel kaum ins Gewicht.

Gründe für den Fachkräftemangel nach Qualifikationsstufe (IAW, LBBW Research)
Entsprechend sehen die Unternehmer bei der Rekrutierung von Fachkräften monetäre Anreize nicht als Mittel der Wahl. Von einer erfolgsabhängigen Vergütung versprechen sich nur 33 Prozent der Unternehmen Erfolg bei Facharbeitern, bei den Hochschulabsolventen nur 23 Prozent. Eine überdurchschnittliche Vergütung setzt bei Fachkräften nur etwa jedes vierte Unternehmen bei Fachkräften ein, bei Hochschulabsolventen arbeiten 31 Prozent der Betriebe mit monetären Anreizen. Abwerbeprämien stehen unabhängig von der Qualifikationsstufe der Arbeitskräfte mit nur etwa drei Prozent ganz am Ende der Beliebtheitsskala der Unternehmen.

Bei der Selbsteinschätzung sehen sich die Unternehmer im soliden Mittelfeld, was laut Mittelstandsradar nicht dem sonstigen Anspruch des Mittelstands entspreche. Darauf verweise das Zukunftsbarometer Digitalisierung von LBBW-Research und IAW. Drei Viertel der mittelständischen Unternehmen planen IT-Investitionen. Damit liegt die Digitalisierung in der Investitions-Prioritätenliste der Mittelständler klar an erster Stelle, darauf folgt mit weitem Abstand Forschung und Entwicklung mit 39 Prozent.

Maßnahmen zur Gewinnung von Fachkräften – (prozentualer Anteil der Nennungen der jeweiligen Kategorie an allen Unternehmen mit Fachkräftemangel (Mehrfachnennungen möglich)) Der Mittelstand setzt auf eher konventionelle Maßnahmen, um als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden. Zur Gewinnung von beruflich ausgebildeten Arbeitskräften setzen die Unternehmen auf Werbung in Online-, Print- oder sozialen Medien (58%), es folgen die Weiterempfehlung durch die eigenen Mitarbeiter (53%) und Fort- und Weiterbildungsangebote (51%). Flexible Arbeitszeitmodelle (43%), die Zusammenarbeit mit Personalvermittlern (43%) und die Unterstützung bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf (39%) stehen ebenfalls hoch im Kurs. Bei der Ansprache von Hochschulabsolventen versprechen sich die Unternehmen von flexiblen Arbeitszeitmodellen (51%), Werbung in unterschiedlichen Medien (45%), der Zusammenarbeit mit Personalvermittlern (43%) sowie Fort- und Weiterbildungsangeboten (38%) am meisten Erfolg. (Quellen: IAW, LBBW Research)
Die Umsetzung der Digitalisierung erfordere jedoch qualifiziertes Personal, heißt es im Mittelstandsradar. Hier könne der Fachkräftemangel zur Fortschrittsbremse werden. Zwar sähen sich mittelständische Unternehmen von nicht ausreichender IT-Kompetenz von Bewerbern vergleichsweise am wenigsten betroffen. Offenbar trifft der Mangel an Facharbeitern (74 Prozent), an Bewerbern für Ausbildungsplätze (43 Prozent) und an Hochschulabsolventen (41 Prozent) die Unternehmen sehr viel stärker. „Das Problem scheint somit nicht unbedingt in der Qualifikation der vorhandenen Arbeitskräfte zu liegen, sondern eher an der Anzahl der zur Verfügung stehenden Fachleute“, schreiben die LBBW-Experten.

Befragt nach den Gründen für den Fachkräftemangel, nennen die Unternehmen ebenfalls die nicht ausreichende Anzahl an Bewerbern am häufigsten. Bei den beruflich ausgebildeten Arbeitskräften folgt zwar an zweiter Stelle bereits die unzureichende Qualifikation der Bewerber. Hinsichtlich der Hochschulabsolventen, die für die teils hochkomplexen Aufgaben zur Umsetzung der Digitalisierung benötigt werden, ist die Qualifikation dagegen nur für 22 Prozent der Unternehmen ein Problem. Auch offizielle Statistiken der Bundesagentur für Arbeit belegen, dass gerade bei hochqualifizierten IT-Fachleuten spürbare Engpässe bestehen. Die durchschnittliche Vakanzzeit, bis eine ausgeschriebene Ste-le wieder besetzt wird, steigt bereits seit acht Jahren an und lag zuletzt bei 107 Tagen. Deutlich über dem Durchschnitt befinden sich IT-bezogene Berufe mit höchstem Anforderungsniveau, hier betrug die Vakanzzeit 159 Tage.
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