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29. Oktober 2018 - 05:30Interview

"Es gibt keine versteckten Risiken"

Online-Medien haben in den vergangenen Wochen verstärkt die Frage gestellt, ob Sparkassen die Gefahr von Insolvenzen durch eine geänderte Zinspolitik der EZB richtig einschätzen können. Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands Helmut Schleweis betont im Interview: "Es gibt bei Sparkassen keine versteckten Risiken." Die Institute verfolgten ein risikoarmes Geschäftsmodell mit verantwortungsvoller Kreditvergabe.

"Kunden zeigen hohes Vertrauen in das Geschäftsmodell und die Stabilität der Sparkassen." Das zeige sich nicht zuletzt in Marktanteilen und Umfragewerten, sagt DSGV-Präsident Schleweis. (Peter Himsel)
Herr Schleweis, auf für eine Börsen-Seite verblüffend großes Interesse stieß der Artikel „System-Kritik: Kettenreaktion von Sparkassen-Insolvenzen - Was ist da dran?“ . Ist dieser Artikel auch Sparkassen-intern auf Interesse gestoßen?
Helmut Schleweis: Es ist auf jeden Fall aufgefallen, dass manche Vorurteile offenbar in gewissen Abständen immer wieder auftauchen. In den einzelnen Häusern haben die zitierten „Studien“ aber eher für Kopfschütteln gesorgt, weil Verwaltungsräte, Vorstände und Mitarbeiter die Geschäftsstrategie ihres jeweiligen Hauses genau kennen. Sie wissen, dass ihre Häuser gut aufgestellt sind und dass die in dem Artikel beschriebenen Szenarien nur wenig mit der Realität zu tun haben.
Im Prinzip geht es um einen „Bloomberg“-Artikel über "versteckte Risiken", die von den deutschen Sparkassen ausgehen sollen. Wir fragen Sie, wie wir uns gefragt haben: Was ist dran?
Schleweis: Nichts – es gibt bei Sparkassen keine versteckten Risiken. Jeder, der sich mit unseren Instituten auskennt weiß, dass Sparkassen ein risikoarmes Geschäftsmodell mit verantwortungsvoller Kreditvergabe verfolgen. Es gibt gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen, zum Beispiel die lange andauernde Niedrigzinsphase, die wir zwar nicht beeinflussen können, auf die man sich als verantwortungsvoller Vorstand einer Sparkasse gemeinsam mit seinem Team aber einstellen und entsprechend Vorsorge treffen kann – das gehört zum Kerngeschäft einer Sparkasse.
Ralf Jasny, Professor für Allgemeine BWL und Finanzdienstleistungen an der Frankfurt University of Applied Sciences, sagte laut „Bloomberg“: "Das größte Bankensystem in Deutschland wird überwiegend von Menschen gesteuert und überwacht, deren Finanzkenntnisse fragwürdig sind". Inwieweit trifft Jasnys Einschätzung zu?
Schleweis: Die Einschätzung, dass die Sparkassen-Finanzgruppe die größte kreditwirtschaftliche Gruppe Deutschlands ist, stimmt; der Rest nicht. Den Sach- und Fachverstand von Vorständen und Verwaltungsräten in Sparkassen anzuzweifeln, entbehrt jeder Grundlage. Gesteuert werden die Sparkassen von Vorständen, die sämtliche bankfachliche und aufsichtsrechtliche Anforderungen an ihre Position so wie jeder Bankchef in Deutschland erfüllen. Das wird im Übrigen von der Aufsicht überwacht und sollte auch Kritikern öffentlich-rechtlicher Sparkassen bewusst sein.

Sachverstand, Erfahrung und Vertrauen

Und was ist mit den Verwaltungsräten, die die Bankgeschäfte überwachen sollen?
Schleweis: Auch die Verwaltungsräte erfüllen die an sie gestellten, nicht minder regulierten und überwachten aufsichtlichen Anforderungen. Sie kennen die Region, in denen ihre Sparkassen tätig sind und gehen Berufen nach, die die gesellschaftlichen Verhältnisse im Trägergebiet ihrer Sparkasse widerspiegeln. Ihnen die notwendige Sachkunde abzusprechen ist unredlich. Darüber hinaus gehören zum Verwaltungsrat auch Personen, die in den Trägerkommunen der Sparkasse öffentliche oder politische Aufgaben wahrnehmen. Auch diese Mitglieder besitzen ein hohes Vertrauen in ihrer örtlichen Gemeinschaft, denn sie sind durch Wahlen demokratisch legitimiert. Ihr Sachverstand und ihre Erfahrung sind von großer Bedeutung für die Verwaltungsratsarbeit in den Sparkassen. Dies habe ich in meiner Zeit als Vorstand auch 30 Jahre in der Praxis so erlebt.
Aber warum wird die Struktur von Sparkassen und ihrer Aufsichtsgremien von einigen Personen immer mal wieder kritisch hinterfragt?
Schleweis: Es gibt in Wissenschaft und Gesellschaft ab und an Einzelmeinungen, die die öffentlich-rechtliche Struktur und damit die kommunale Trägerschaft von Sparkassen grundsätzlich ablehnen. Wenn man dieser Meinung ist, muss man seine Ansicht aber auch sauber belegen können. Tatsächlich sind Sparkassen ein entscheidender Stabilitätsanker für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung der Regionen. Deutschland hat in den vergangenen Jahrzehnten mit dem dreigliedrigen Bankensystem aus öffentlich-rechtlichen Sparkassen, genossenschaftlichen Volks- und Raiffeisenbanken und Privatbanken gute Erfahrungen gemacht. Immer sind es gerade die Sparkassen und die genossenschaftlichen Institute, die die kreditwirtschaftliche Versorgung in der Fläche übernehmen – das gibt es so in kaum einem anderen Land.
Weiter wird die angebliche Krisenanfälligkeit der Sparkassen durch die fortschreitende Zinswende angeführt. "Ein rascher Anstieg der Zinsen könnte für alle gleichzeitig Probleme bereiten", sagte Isabel Schnabel, Finanzprofessorin an der Universität Bonn und Mitglied im Wirtschaftsberaterstab von Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Wir könnten an einen Punkt kommen, an dem es zu viele sind, um zu versagen", so Schnabel. Inwieweit können Sie die Sorgen der Professorin nachvollziehen?
Schleweis: Erst im vergangenen Jahr haben Bafin und Bundesbank bei kleineren und mittleren Kreditinstituten die Auswirkungen eines ad hoc-Zinsanstiegs um 200 Basispunkte über Nacht simulieren lassen. Das Ergebnis zeigte, dass die kurzfristigen Belastungen aus den Zinsänderungsrisiken zwar zunächst zu Gewinnverlusten führen, die Ergebnisse mittel- bis langfristig aber wieder über die Werte des Jahres 2016 steigen würden. Gleichzeitig konnten die kurzfristigen Gewinnverluste durch das in den letzten Jahren deutlich aufgestockte Eigenkapital ausreichend ausgeglichen werden – sogar mit diesem unrealistischen Stressszenario würden Sparkassen also zurecht kommen. Es ist aus unserer Sicht durchaus angezeigt, bei der Geldpolitik umzusteuern – und zwar in kleinen und wohlüberlegten Schritten. Die EZB bereitet die Zinswende genau auf diese Weise vor. Das ist der richtige Weg.

Zinsänderungsrisiken sind steuer- und absicherbar

Ins gleiche Horn wie Professorin Schnabel stößt die Ratingagentur Fitch. Die Analysten sehen ebenfalls steigende Zinsen als die Hauptgefahrenquelle für die öffentlich-rechtlichen Finanzinstitute an. Die meisten langfristigen Vermögenswerte der Sparkassen seien Hypotheken. Die kurzfristigen Einlagen bestünden aber aus dem Geld auf den Konten der Sparkassen-Sparer. Diese Gelder müssten bei steigenden Zinsen schneller neu bewertet werden. Wo liegt hier die tatsächliche Gefahr für die Sparkassen?
Schleweis: Es stimmt, dass die hohen Sichteinlagenbestände die Ertragslage der Sparkassen derzeit negativ belasten. Dies auch, weil die Institute die negativen Zinsen der Bundesbank nicht an die Masse der Sparer weitergeben. Bei einem Zinsanstieg würde gerade hier wieder eine Normalisierung und Entlastung eintreten, selbst wenn Bestände in andere Einlagekategorien umgeschichtet oder etwa in Wertpapiere abfließen würden. Generell gilt: Zinsänderungsrisiken sind im Rahmen der Gesamtbanksteuerung durch Sparkassen quantifizier- und steuerbar – und sie können abgesichert werden. Das haben die Sparkassen immer getan und tun sie auch heute – da muss sich niemand Sorgen machen.
"Ein Einbruch könnte zu einer Kettenreaktion von Sparkasseninsolvenzen führen, die für das Sparkassensystem schwer oder unmöglich zu absorbieren wäre", sagte Reint Gropp, Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle. Inwieweit können Sie die Lageeinschätzung von Herrn Gropp nachvollziehen?
Schleweis: Auch diese Einschätzung entspricht nicht der Realität – und es fehlen auch wissenschaftliche Belege dafür. Die Sparkassen haben in den vergangenen Jahren ihre Eigenkapitalbestände vorausschauend deutlich aufgestockt. Sie bauen gezielt den Provisionsbereich aus, um die Folgen der Niedrigzinsphase abfangen zu können. Während der Anteil des Provisionsgeschäftes an den Erträgen vor einigen Jahren noch durchschnittlich bei etwa 20Prozent lag, liegt dieser Wert heute schon nahe 30 Prozent – Tendenz steigend. Zusätzlich optimieren die Häuser ihren Vertrieb und senken die Kosten. Unser Geschäftsmodell ist stabil und zukunftsfähig.
Zum Schluss weisen die Bloomberg-Autoren daraufhin, dass Länder wie Frankreich, Italien und Österreich ihren Sparkassen-Sektor durch Fusionen und externe Investoren auf Vordermann gebracht hätten. Aus welchen Gründen sind die deutschen Sparkassen hier im Hintertreffen?
Schleweis: Ganz einfach, weil wir die Kunden im Blick haben. Der deutsche Bankenmarkt zeichnet sich durch hohen Wettbewerb, vergleichsweise niedrige Preise und ein flächendeckendes Angebot an Finanzdienstleistungen aus. Das beeinflusst vielleicht die Renditeerwartungen der Eigner von Aktienbanken negativ, kommt aber allen Kunden zu Gute. In einigen europäischen Ländern wird derzeit intensiv darüber diskutiert, regional ausgerichtete Kreditinstitute nach dem Modell der Sparkassen einzuführen, um insbesondere die Mittelstandsfinanzierung zu gewährleisten. In Italien und Frankreich dagegen teilen sich einige große Banken den Markt auf. Für die Kunden bedeuten weniger Anbieter aber höhere Preise und eben kein flächendeckendes Angebot an Finanzdienstleistungen für alle Bevölkerungsgruppen.
Inwieweit können Sie die Gedankengänge von Sparkassen-Kunden nachvollziehen, die sich um die Stabilität des Sparkassen-Systems Sorgen machen?
Schleweis: Nach allem was ich erlebe, haben unsere Kunden großes Vertrauen in das Geschäftsmodell und die Stabilität der Sparkassen. Das zeigt sich nicht zuletzt in den hohen Marktanteilen und unterschiedlichen Vertrauens-Umfragen, bei denen Sparkassen regelmäßig sehr gut abschneiden. Wie wichtig Sparkassen für unser Wirtschaftsmodell mit seinem breiten Mittelstand sind, hat nicht zuletzt die Finanzmarktkrise vor einigen Jahren bewiesen, in der gerade die Sparkassen zu Recht als sicherer Hafen empfunden wurden. In Deutschland sorgt die Vielfalt der Geschäftsmodelle dafür, dass Kunden ungehinderten Zugang zu Finanzdienstleistungen haben - unabhängig vom Vermögen oder vom sozialen Status. Gerade Sparkassen und Genossenschaftsbanken stellen sicher, dass überall in der Fläche des Landes wertige Beratung und ein verlässlicher Zugang zu Investitionskrediten besteht. Deutschland hat damit längst erreicht, was viele Länder weltweit als politisches Ziel formulieren - nämlich umfassende sogenannte „financial inclusion“.
Das Interview wurde zuerst auf dem Portal "Wallstreet online" veröffentlicht.
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