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10. Oktober 2018 - 07:00Spanien

Digitales Geld wird kommen

von Stefanie Claudia Müller, Madrid

Die Experten streiten noch über die Risiken von Central Bank Digital Currencies (CBDC), aber in Spanien zweifeln immer weniger Menschen daran, dass Bargeld irgendwann aus dem Zahlungsverkehr verschwinden wird.

Welche Folgen wird die Einführung von digitalem Geld für Bürger und Bankenwelt haben? Noch sind Vor- und Nachteile kaum abzusehen. (dpa)
Bald wird nichts mehr so sein wie wir es gewohnt sind. Die nächste Revolution zeichnet sich schon ab. Nicht nur der Roboter kommt in unser Leben, auch das digitale Geld. Und das wird künftig nicht mehr nur von Banken ausgegeben, sondern auch zunehmend von Amazon, Google und vielleicht auch bald per Debitkarte und Konto bei der Europäischen Zentralbank. Auch wenn die EZB derzeit noch jegliche Einführung eines digitalen Euros ablehnt: Was die Juden im Mittelalter einführten − die Bezahlung mit Gold und später mit Papiergeld amstatt, wie bisher gewohnt, die Waren zu tauschen – wird im 21. Jahrhundert auf den Kopf gestellt.
Aber allen Kritiken und Ängsten zum Trotz es gibt auch Grund zur Hoffnung. Ein Vorteil könnte zu etwa sein, diese Währungen wieder an reale Werte zu knüpfen, wie den Goldstandard oder den Ölpreis, und damit Spekulationskrisen, wie wir sie in den vergangenen 20 Jahren erleben, zu vermeiden. Auch die Vormacht des US-Dollars könnte so beseitigt werden. Die Pro-Blockchain-Experten argumentieren, dass Zahlungssysteme dieser Art wie eine kontinuierliche Buchführung effizienter und transparenter vonstatten gehen würden. Blockchain ist wie ein dezentrales, verschlüsseltes Grundbuch.
Galo Nuño.
Die Sparkassen müssen allerdings bereits an einem Plan B arbeiten, da sind sich Experten wie Galo Nuño (siehe Interview unten) einig. Bisher können Bürger nur über Bargeld an Zentralbankgeld gelangen. Geschäftsbanken dagegen halten Konten bei EZB: "Das könnte sich ändern", glaubt der spanische Volkswirt, einer der wenigen Experten, die es derzeit weltweit in Sachen digitales Zentralbankgeld gibt. Wahrscheinlich ist er auch einer derjenigen, die am positivsten über diese Entwicklung denken, zusammen mit dem Anfang des Jahres im "Spiegel" interviewten Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff. Dieser glaubt, dass die Entwicklung des CBDC gar nicht mehr aufzuhalten ist, wenn schon 1000 digitale Währungen existieren.

Der klare Vorteil von digitalem Geld: "Die Akteure können in einem digitalen System identifiziert werden, womit Geldwäsche schwieriger wird", sagt Rogoff. Er will auch deswegen den Abschied von Papiergeld, ist allerdings gegen das anonyme Bitcoin-Geschäft: "Dass Japan im Alleingang diese Währung als offizielles Zahlungsmittel anerkannt hat, ist gefährlich." Er fordert, dass diese Währungen aus der Anonymität geholt werden, damit Länder wie Nordkorea und der Iran nicht auf diese Weise Sanktionen umgehen können.

Bisher ist alles noch Spinnerei

Während Investoren mit Bitcoin & Co. schon kräftig Geld verdienen, ist CBDC noch ein theoretisches Konstrukt. Aber sobald das erste Land diesen Weg geht, steigt der Druck auf die anderen. Deswegen sind bereits fast alle Zentralbanken und auch viele Kreditinstitute in Pilotprojekte eingebunden. Schweden ist das erste Land, das ernsthaft über eine E-Krone nachdenkt, die wie Bitcoin auf Blockchain-Technologie beruhen soll. Sie soll von der schwedischen Reichsbank zur Verfügung gestellt werden, damit Privatleute, Behörden und Unternehmen darüber ihre Geldgeschäfte abwickeln können – aber alles unter der Beobachtung und Kontrolle der Zentralbank.
Venezuela hat den Petro eingeführt, der an die Öl- und Mineralreserven gekoppelt ist und das Land vom Dollar unabhängig machen soll. Experten sehen dieses Experiment jedoch eher als Witz: "Angesichts der maroden Wirtschaft ist es nicht ernst zu nehmen", sagt Nuño. Reinhold Rickes, Chefvolkswirt der Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, bezweifelt aber auch für Märkte wie Deutschland die Notwendigkeit: "Allein in der großen Volkswirtschaft Deutschland werden noch etwa 80 Prozent der Käufe bar abgewickelt."
Bei der Bundesbank wird das Thema CBDC zudem mit Samthandschuhen angefasst, auch weil man Angst hat um die eigene Banken- und Sparkassenlandschaft, die das deutsche Wirtschaftswunder und den Mittelstand mit aufgebaut hat und an der nach Angaben der Statistikagentur Statista rund 600 000 Arbeitsplätze hängen. Bei der spanischen Bank BBVA glaubt man, dass der beste Schritt sei, zunächst das Interbanken-Geschäft über Blockchain laufen zu lassen und dafür vielleicht eine eigene digitale Zahlungsmethode zu entwickeln: "Das wäre ein Versuch, danach kann man weiterschauen", heißt es in dem Arbeitspapier "Central Bank Digital Currencies: Assessing Implementation Possibilities and Impacts". Was genau mit Banken und Sparkassen in einem solchen Szenarium passiert, ist aber auch den Volkswirten dieses Berichts unklar: "Klar ist nur, dass der Wettbewerb in jedem Fall zunehmen wird, da auch Fintechs als Geldhändler auftreten werden", heißt es.

Ist weniger mehr?

Klar ist für die Ökonomen auch, dass in einem solchen Umfeld im deutschen System die Landesbanken langsam verschwinden würden, wenn diese nicht als Geldgeber der Sparkassen auch ein eigenes digitales Zahlungssystem oder gar eine eigene Währung entwickeln würden. Die Ungewissheit macht vielen im Kreditgewerbe Angst. Aber die Entwicklung kann den Sparkassen als Bargeld- und Stabilitätshüter der lokalen Wirtschaft und dem privaten Häuslebauer in einem digitalen Umfeld auch eine neue Bedeutung zukommen lassen, zumindest vorübergehend. Da die vielen Zweifler zu den Sparkassen flüchten würden, die wahrscheinlich am längsten an dem alten System festhalten werden.
Klar ist, dass die Rahmenbedingungen und Ziele der bisher angedachten CBDC-Projekte unterschiedlich sind und entweder gar nicht oder nur sehr eingeschränkt auf den Euroraum übertragen werden können. Bei der Presseabteilung der Deutschen Bundesbank heißt es diesbezüglich: "Eine Verdrängung des Bargelds durch digitales Zentralbankgeld, um Negativzinsen in der Breite durchsetzen zu können, ist nicht gewünscht." Die Konkurrenz des digitalen Zentralbankgelds zur Bankeinlage könnte die Geschäftsmodelle der Geschäftsbanken und damit die Finanzstabilität insgesamt gefährden, glaubt man in Frankfurt. "Die Auswirkungen sind schwierig abzusehen, weil wir kein Präzedenzfall haben", so Nuño.

Banken stehen in den Startlöchern

Ricardo Javier Palomo Zurdo.
Für die Sparkassen wäre das Szenario einer Ausgabe von digitalem Geld an die Bürger und einem gleichzeitigen direkten Abzug von Papiergeld schwierig, weil sich wahrscheinlich Einlagen massiv in die Zentralbanken verlagern würden und ihnen damit die Grundlage für die Vergabe von Krediten entzogen würde. Der Wettbewerb um Kunden und Rentabilität würde noch viel härter, sagt der Ökonom Ricardo Javier Palomo Zurdo, Professor der Universität San Pablo CEU in Madrid. Weil das schon einige Wettbewerber voraussehen, haben sie sich verbündet: Deutsche Bank, Banco Santander und BNY Mellon testen ihr eigenes digitales Geld via Blockchain-Technologie. Die Tests für die B2B-Applikation, der "Utility Settlement Coin" (USC), laufen seit 2016. UBS und Clearmatics haben das Konzept USC schon 2015 eingeführt. Rogoff, der seit Jahren gegen Papiergeld wettert, hält die Entwicklung für unausweichlich: "Ich halte nichts von Bitcoin, aber von Zentralbanken gesteuerte Cyberwährungen werden noch eine groβe Rolle spielen."
Palomo Zurdo erinnert daran, dass bereits jetzt viele Bereiche des Geldverkehrs digital ablaufen: "Mit dem Euro wickeln wir täglich Transaktionen digital ab." Ein digitaler Euro würde jedoch parallel und eventuell auch mit einer anderen Verzinsung als der physische Euro starten, auch wenn Experten das für gefährlich halten, da dies Freiraum für Spekulanten bietet. Kleinere Währungen könnten diesen Schritt jedoch wagen: "Im Euroraum sind verschiedene Zinssätze jedoch kaum denkbar", sagt Palomo Zurdo. Aber er glaubt, dass die stufenweise Ausmerzung des Papiergelds nicht aufzuhalten ist: "Schon heute sehen wir, dass Bargeld nur noch für kleine Beträge benutzt wird. Um Betrug vorzubeugen, akzeptieren einige Restaurants, Geschäfte und Firmen bereits kein Bargeld mehr." Aus Kreisen der BBVA ist zu hören, dass in jedem Fall die Zahl der Vermittler zurückgehen würde und damit in einem Szenarium wie in Deutschland die Rolle der Landesbanken überdacht werden müsste.

Visionäre sind gefragt

Die spanischen Banken und verbleibenden Sparkassen bereiten sich schon seit einigen Jahren auf die neue "digitale Welt" vor, und mobiles Bezahlen gehört für die Spanier bereits zum Alltag. Sie haben in Fintech-Unternehmen investiert und Start-ups gegründet, die sich mit Cybermoney und Blockchain beschäftigen. Welche Gefahren hinter der aktuellen Entwicklung stecken, darauf weist Carl-Ludwig Thiele, ehemaliges Mitglied des Vorstands der Bundesbank, in seiner Rede vom 30. April dieses Jahres hin: "Die Bereitstellung von Geld und die Schaffung eines effizienten und sicheren Zahlungsverkehrs sind öffentliche Güter. Geldwertstabilität schaffen die Zentralbanken mit ihrer Geldpolitik und der klaren Orientierung an einem stabilen Verbraucherpreisindex." Das ist in Linie mit einem Brief von Mario Draghi an einen EU-Abgeordneten, in dem es heißt: "Es gibt derzeit auch keinen Bedarf für solche Überlegungen, weil die Nachfrage nach Euro-Banknoten weiter wächst."
Bei aller Unsicherheit, die derzeit bezüglich dieses Themas vorherrscht, ist wohl richtig, dass der Euroraum mit seinen 330 Millionen Einwohnern wahrscheinlich der letzte sein wird, der digitales Geld einführen wird, weil das Konstrukt mit seinen vielen schwächelnden Banken schon so brüchig ist: "Wir können keine Experimente wagen", warnt Thiele in seiner Rede. Aber auch er kann nicht bestreiten, wie revolutionär die Technologie ist, die der Idee von digitalem Geld zugrunde liegt, die Distributed-Ledger-Technologie.
Deswegen hat die Bundesbank mit der Deutschen Börse einen Prototyp entwickelt, um die Funktionalitäten und Risiken dieser Technologie im Zahlungsverkehr und in der Wertpapierabwicklung genauer zu untersuchen. Thiele gibt in seiner Rede zu: "Sicherlich braucht jedes neu entwickelte Verfahren Zeit, um zu reifen und sich am Markt etablieren zu können, und nicht jede Innovation überlebt auf Dauer. Aber dieser Evolutionsprozess ist genau das, was Innovation und Fortschritt ausmacht. Technischer Fortschritt muss weiter stattfinden können. Technische Entwicklungen bleiben nicht stehen." Am Ende sagt er warnend: "Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit."

Gefährlich, aber notwendig?

Interview mit Galo Nuño, Volkswirt der Banco de España, Experte in Geldpolitik. Nuño hält einen Master in Wirtschaft der Stanford University. Dieses Interview spiegelt seine persönliche Meinung wider.
SPARKASSE: Könnten Sie kurz erklären, was es in der Praxis bedeuten würde, wenn die Zentralbanken Digitalgeld ausgeben würden?
Galo Nuño: Damit würde ermöglicht, dass Normalbürger und Unternehmen ein Konto etwa bei der Bundesbank haben könnten; derzeit ist dass nur den Banken und Sparkassen möglich. Es gibt einen klaren Unterschied zwischen virtuellen Währungen wie Bitcoin und öffentlichem Digitalgeld (CBDC). Ein digitaler Euro, emitiert von der Europäischen Zentralbank, wird immer den gleichen Wert haben wie der physische Euro. Bei den virtuellen Währungen dagegen schwankt der Kurs enorm, und es gibt keine Verbindung zu einer bestehenden physischen Währung.
SPARKASSE: Welche Gefahren bestehen?
Nuño: CBDC birgt enorme Risiken. Die Zentralbank wäre ein Wettbewerber der Banken und Sparkassen. Es wäre zu erwarten, dass die Rentabilität des Sektors sinken würde. Es besteht auch ein Risiko der Einlagenflucht hin zu den Zentralbanken, für den Fall, dass es im privaten Kreditsektor Gefahren gibt. Das ist destabilisierend, könnte allerdings durch eine nur begrenzt mögliche Reserve geregelt werden.
SPARKASSE: Was ändert sich für den Normalbürger?
Nuño: Für die Familien gäbe es eine neue Form des Sparens ohne Risiken, weil diese Einlagen gesichert wären. Wie die Sparkassen sich in diesem Szenarium weiterentwickeln, bleibt fraglich.
SPARKASSE: Zusammenfassend: Sind Sie für oder gegen CBDC?
Galo Nuño: Angesichts der möglichen Vorteile und Nachteile sind die Zentralbanken angehalten, die Möglichkeiten zu studieren.
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