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12. Juli 2017 - 07:30Azubifiliale

Auch der 89-jährige Felix ist gern gesehen

von Silvia Besner

Die "Aha"-Filiale der Sparkasse Krefeld hat ein Jahr nach ihrer Eröffnung viel Aufmerksamkeit in der Finanzgruppe und einen ersten Ableger in Velbert gefunden.

Ein Jahr nach Eröffnung ihrer "Aha"-Filiale zieht die Sparkasse Krefeld ein durchweg positives Fazit: Die Geschäftsstelle, in der Auszubildende junge Leute in einem poppigen Ambiente und mithilfe digitaler Medien beraten, hat nicht nur 300 neue Kunden gefunden und Verträge verkauft. Das ungewöhnliche Konzept ist auch in der Sparkassen-Finanzgruppe auf viel Interesse gestoßen. Mehr als 20 Institute haben die "Aha"-Filiale besucht oder die Powerpoint-Präsentation nachgefragt, die Sinn und Zweck der stationären Azubifiliale beschreibt. Auf Ausbilderfachtagungen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz haben die Krefelder ihr Konzept ebenso vorgestellt wie auf dem FI-Forum in Frankfurt am Main. Der Sparkassenverband Bayern hat sich per "Facetime" durch die "Aha"-Filiale führen lassen, das Tablet fungierte dabei als Live-Videokamera.
Acht Generationen von Krefelder Auszubildenden hatten zuvor in temporären Azubifilialen das Erlernte in der Praxis üben dürfen: Vielversprechende Nachwuchskräfte führten jeweils für einige Wochen im Jahr eine Geschäftsstelle, unter Aufsicht eines verantwortlichen Mitarbeiters. Zuletzt übte man bereits, was dann in der "Aha"-Filiale Usus werden sollte: Die Azubis trugen gepflegte Freizeitkleidung und duzten ihre Kunden. Dann kündigte ein Bäcker seinen Mietvertrag und hinterließ im Haupthaus der Sparkasse Krefeld ein leeres Ladenlokal von 80 Quadratmetern Fläche – der ideale Standort für die dauerhafte Einrichtung einer jungen, ungewöhnlichen Geschäftsstelle. Ein Knotenpunkt des öffentlichen Personennahverkehrs sorgt für Laufkundschaft. Der Hinterausgang der "Aha"-Filiale führt direkt in die Sparkassenzentrale, wo die Azubis bei einer Frage auch schnell mal einen Fachmann finden.

Kickertisch und Kühlschrank, freies W-Lan und Musik

Kickertisch und Kühlschrank, Polstermöbel und Pinnwand sollen die Geschäftsstelle bunt und gemütlich machen. Ein großer Monitor zeigt zielgruppengerechte Sparkassenspots, Werbung für Ticketaktionen mit Marketingpartnern und die Steckbriefe der in der Filiale beschäftigten Azubis in Dauerschleife. Es gibt kostenloses W-Lan, und im Hintergrund läuft die Chartmusik des Senders "1Live Diggi". Beraten wird ausschließlich mit mobilen Endgeräten, die auch an den großen Monitor angeschlossen werden können. Eine Treppe führt in den ersten Stock, wo zwei Beratungsräume für Ruhe und Rückzugsmöglichkeit sorgen. Im Internet wird das Filialkonzept vom Portal aha-ist-einfach.de mit Tipps, Terminen und finanzwirtschaftlichen Themen begleitet.
Doch es geht nicht nur ums Bankgeschäft. Im besten Fall soll die Filiale zum coolen Treffpunkt werden, sagt Ausbildungsbetreuer Mathias Kuhn. So bietet sie schon mal Schülern Unterschlupf, die bei Regen auf den Bus warten müssen. Regelmäßig schaut beispielsweise die junge Beraterin einer Krankenkasse für einen kurzen Plausch herein. Ungute Erfahrungen habe man mit dem offenen Konzept bisher nicht gemacht. Noch musste niemand mit sanftem Zwang hinauskomplimentiert werden. Und natürlich nimmt man sich auch jedes Kunden an. Selbst der 89-jährige Felix fühlte sich unlängst von der neuen Filiale angesprochen, bot dann auch gleich das "Du" an und schloss einen Push-TAN-Vertrag ab.
In den ersten zwölf Monaten waren hintereinander fünf Teams mit jeweils fünf Auszubildenden eingesetzt. Viele, aber nicht alle der rund 40 Azubis eines Jahrgangs durchlaufen so die neue Geschäftsstelle. In einem intensiven Beurteilungssystem werde anhand schulischer Leistungen und gezeigter Beratungskompetenz über den Einsatz entschieden, erklärt Ausbilder Kuhn. Manchmal mische man aber auch Azubis ins Team, denen der Kundenkontakt noch nicht so vertraut ist. Oft könne die Gruppendynamik dann den nötigen Schwung verleihen. Der noch junge, aber bereits ausgelernte Filialleiter ist immer vor Ort, zwei seiner Stellvertreter können im Urlaubsfall einspringen.
Das Schöne an der Azubifiliale sei, dass die Teams versuchten, sich immer wieder mit Ideen zu übertreffen, wie man junge Leute in die Filiale locken könne, berichtet Kuhn. So konnten bei einem Kickerturnier Karten für eine Partie des Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach erspielt werden. Eine Neunziger-Jahre-Woche bot Musik und typische Süßigkeiten aus der Zeit. Besonders gut angenommen wurde auch eine Fotobox, die Kunden dazu einlud, sich – mit lustigen Accessoires verkleidet – ablichten zu lassen. Und auch für das Vertriebsreporting lassen sich die Azubis gern ungewöhnliche Methoden einfallen. Relative Eigenverantwortung und Entfaltungsmöglichkeiten setzen also kreative Energie frei. Und genau das ist gewollt.

Vorreiter und Mitstreiter

Anregungen zur "Aha"-Filiale hatten sich die Verantwortlichen der Sparkasse Krefeld natürlich auch beim "S-Spot" der Sparkasse Göttingen geholt. Diese bundesweit erste Filiale eines Kreditinstituts, die nicht nur von Auszubildenden gestaltet wurde, sondern auch betrieben wird, besteht mittlerweile seit vier Jahren und wurde mehrfach preisgekrönt (wir berichteten).
Mitten im Zentrum von Velbert hat am 1. Juni eine zweite "Aha"-Filiale eröffnet. Die Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert hat dabei viele Elemente aus dem Konzept der Sparkasse Krefeld übernommen. Weitere Anregungen lieferte ein eigenes Azubiprojekt. Das junge siebenköpfige Team bietet Banking für die "Generation Smartphone" und wöchentliche Workshops zu digitalen Themen wie "Sicherheit im Internet" und "Onlinebewerbungen". Dresscode und Umgangsformen sind der Zielgruppe angepasst, Palettenmöbel lassen die Geschäftsstelle jung aussehen. Kundschaft soll auch eine offizielle Kartenvorverkaufsstelle des Marktführers Eventim bringen. Die Tickets werden direkt durch das "Aha"-Team verkauft, so der Leiter Vorstandsstab, Thomas Besting. Der größte Unterschied zur "Aha"-Filiale in Krefeld: Die Belegschaft setzt sich nicht aus Auszubildenden zusammen, sondern aus jungen Mitarbeitern in Festanstellung. Zur Banklehre bei der Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert wird jedoch ab 2018 ein fester Einsatz in der Filiale gehören.
Die Sparkasse Lübeck hat am 12. Juni, ihrem 200. Geburtstag, eine neue und dauerhafte Azubi-Filiale eröffnet: Auch die sogenannte "S-Corner" soll, im Herzen der Altstadt gelegen, zum Treffpunkt werden. Moderne Lounge-Möbel und entspannte Musik zielen auf junge Kunden, die man auf Augenhöhe und mit digitaler Technik beraten will. Zudem soll die "S-Corner" helfen, Auszubildende praxisnah auf künftige Anforderungen vorzubereiten (wir berichteten).
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